Die besten Orte für den Sonnenuntergang in Brüssel: unsere Lieblings-Dachterrassen
Brüssel ist größtenteils eine Flachstadt, weshalb man für gute Aussichten etwas suchen muss — doch wer sie findet, wird mit einem wirklich schönen Anblick belohnt: Türme und Dächer im goldenen Abendlicht. Hier sind unsere Lieblingsplätze für den Sonnenuntergang, entdeckt auf mehreren Reisen.
Der Mont des Arts
Der Klassiker. Von den gepflegten Gärten des Mont des Arts aus fällt der Blick über die Unterstadt zum Rathausturm — und die Ausrichtung ist ideal für das Abendlicht. Kostenlos, zentral gelegen und stets belebt von Menschen, die denselben Gedanken haben — zu Recht (beste Museen in der Nähe).
Die Geometrie des Mont des Arts macht seinen Reiz aus: Der formale französische Garten im Vordergrund fällt in Schichten zur Unterstadt hin ab, und der gotische Rathausturm ragt vor dem Abendhimmel in genau dem richtigen Winkel auf. An einem klaren Sommerabend taucht diese Aussicht in ein goldenes Licht, das unverhältnismäßig schön wirkt für eine Stadt, die sonst nicht mit ihrer Optik prahlt. Kommt etwa eine Stunde vor Sonnenuntergang, setzt euch auf die Stufen und wartet. Halb Brüssel scheint dieselbe Idee zu haben — das sagt alles.
Das Dachterrassencafé des MIM
Unser persönlicher Favorit. Die Dachterrasse des Musikinstrumentenmuseums bietet ein weitläufiges Panorama über das Stadtzentrum — mit einem Drink in der Hand, während das Licht sich verändert (MIM-Guide). Unterschätzt und selten überfüllt — unbedingt die Schließzeiten prüfen, damit man den eigentlichen Sonnenuntergang nicht verpasst.
Das MIM-Dach ist ein halb gehütetes Geheimnis, was angesichts seiner Qualität überrascht. Die Terrasse umschließt das Obergeschoss des alten englischen Kaufhauses, das das Museum beherbergt, und der Blick schweift über die Altstadtdächer, mit den Türmen von Saint-Jacques-sur-Coudenberg und dem Kathedrale Saints-Michel-et-Gudule in mittlerer Entfernung. Es ist ein viel intimeres Erlebnis als eine Hotel-Dachbar — eine Museumsterrasse, kein Treffpunkt der Schickeria — und man hat oft ganze Abschnitte fast für sich. Das Café bietet ordentliche Getränke an. Das Licht auf den Dächern zwischen achtzehn und neunzehn Uhr an einem Sommerabend ist den Museumseintritt allein schon wert.
Place Poelaert
Neben dem gewaltigen Palais de Justice blickt diese Terrasse über die Marolles und die Unterstadt hinaus, verbunden mit den oberen Stadtteilen durch einen kleinen Glasaufzug. Eine weite, offene Westsicht (Marolles).
Der Place Poelaert wird vom Palais de Justice dominiert — eines der größten Justizgebäude der Welt, ein Ausdruck belgischen Ehrgeizes aus dem 19. Jahrhundert, so groß, dass es seit Jahrzehnten saniert wird — doch die Terrasse davor bietet einen weiten, unverstellten Blick nach Westen über die Unterstadt in Richtung Anderlecht und Horizont. An einem klaren Abend fällt die untergehende Sonne mit bemerkenswerter Direktheit in dieses Bild. Der Glasaufzug hinunter zu den Marolles ist eine angenehme Ergänzung — eine Verbindung zwischen Ober- und Unterstadt, die vor dem Stein des 19. Jahrhunderts leicht futuristisch wirkt.
Das Atomium
Für etwas Besonderes: die oberste Kugel des Atomiums zur goldenen Stunde — der gesamte Norden der Stadt zu Füßen, das Chrom im Glanz des Sonnenlichts (Guide). Schließzeiten beachten, da es sich draußen in Heysel befindet.
Das Atomium bei Sonnenuntergang ist ein besonderes Erlebnis. Die verchromten Kugeln nehmen das orangefarbene Licht auf fast flüssige Weise auf, und von der obersten Kugel aus ist die Aussicht wirklich panoramisch — die Ebene des nördlichen Brüssels, der königliche Park von Laeken, die gesamte Stadtausdehnung nach Norden. Es ist nicht das stimmungsvollste Dachterrassen-Erlebnis — eher eine Touristenattraktion als eine ruhige Terrasse — aber die Aussicht und das Gebäude in diesem Licht sind den Weg nach Heysel wert, das mit der Metro vom Zentrum erreichbar ist. Die letzten Einlasszeiten sorgfältig prüfen.
Rooftop-Bars
Brüssel hat eine wachsende Zahl von Rooftop-Bars — auf Hotels und dem ein oder anderen Kaufhaus — die an einem Sommerabend besonders zur Geltung kommen. Es lohnt sich, nach aktuellen Tipps in der Nähe der eigenen Unterkunft zu suchen; ein Cocktail, während die Türme sich rosa färben, ist ein wunderbarer Tagesabschluss.
Die Rooftop-Bar-Szene verändert sich schneller als feste Sehenswürdigkeiten, weshalb eine aktuelle Suche nach dem, was in der Nähe des eigenen Hotels betrieben wird, nützlicher ist als eine möglicherweise veraltete Liste. Das allgemeine Prinzip gilt: Mehrere Brüsseler Hotels haben in den letzten Jahren Dachterrassen oder -bars eröffnet, und die Kombination aus einem warmen Abend, einem guten Cocktail und Stadtaussicht aus acht oder neun Stockwerken ist verlässlich vergnüglich.
Tipps
- Sommersonnenuntergänge sind spät (nach 21 Uhr im Juni) — das Abendessen entsprechend planen (Brüssel im Sommer).
- Schließzeiten der Dachterrassen prüfen — manche Museen und Cafés schließen vor dem eigentlichen Sonnenuntergang.
- Der Mont des Arts zeigt nach Westen — zuverlässig gutes Abendlicht.
- Ein klarer Abend nach dem Regen bietet die schärfsten Aussichten (und in Brüssel regnet es oft genug, um die Luft zu reinigen).
- Das MIM-Dachterrassencafé hat eigene Öffnungszeiten — es schließt gelegentlich früher als das Museum selbst.
Anmerkung zur bescheidenen Brüsseler Skyline
Es hilft, zu verstehen, was für ein Sonnenuntergangs-Erlebnis Brüssel bietet, um die eigenen Erwartungen richtig zu kalibrieren. Dies ist keine Stadt mit einer panoramischen Skyline — weder das Gitternetz Manhattans noch die pariserische Inszenierung von Haussmann-Boulevards, die auf den Eiffelturm zulaufen. Brüssel besteht überwiegend aus drei bis fünf Stockwerken, mit vereinzelten Kirchturmspitzen und dem gelegentlichen Nachkriegsturm als vertikaler Interpunktion. Was man stattdessen bekommt, ist ein kleinkörniger, menschlicher Blick auf Dächer in warmem Licht, wobei der gotische Rathausturm den zuverlässigsten Blickfang bildet.
Dieses Merkmal macht das MIM-Dach und den Mont des Arts zur besten Wahl, denn beide setzen einen genau so weit über die Dachlinie, dass man die Textur der Stadt lesen kann — die Vielfalt der Zinkdächer des 19. Jahrhunderts, das gelegentliche Mansarddach, die Schornsteinlandschaft — ohne dass eine eigentliche Skyline gefragt wäre. Es ist ein intimer Blick, der zur Stadt passt. Brüssel bei der goldenen Stunde ist still und besonders statt dramatisch — und das ist es wert, hinaufzusteigen.
Die Stadt bietet keine dramatische Skyline — dafür ist sie zu flach und bescheiden. Aber wer die richtige Dachterrasse oder Terrasse findet und das Licht auf dem Rathausturm einfängt, erlebt Brüssel beim Sonnenuntergang mit einem leisen, ganz eigenen Charme. Die MIM-Dachterrasse wäre unsere erste Empfehlung.
