Wie wir der Rue des Bouchers-Falle entkamen
Sie sieht aus wie die charmanteste Restaurantstraße in Brüssel – schmal, mit Lichterketten geschmückt, gesäumt von Restaurants, die mit Tischen auf das Kopfsteinpflaster nahe der Grand-Place hinausragen. Wir wären fast hineingegangen. Hier erfahrt ihr, warum wir es nicht taten – und wo wir stattdessen aßen.
Die Warnsignale in Echtzeit
Wir hatten Hunger, und die Rue des Bouchers sah perfekt aus. Dann trat ein Kellner aus einem Eingang und versuchte uns buchstäblich hineinzulotsen. Ein paar Meter weiter tat ein anderer dasselbe. Wir begannen, Dinge wahrzunehmen:
- Speisekarten in sechs Sprachen mit einem Foto zu jedem Gericht.
- Meeresfrüchtetürme auf Eis vor den Eingängen – gezielt platziert, um anzulocken.
- „Touristenmenüs” überall ausgehängt.
- Dieses ständige Anwerben von den Türen her.
Ein gutes Brüsseler Restaurant muss niemanden von der Straße holen. All diese Zeichen zusammen sind schlicht eine blinkende Warnung (Restaurantfallen am Grand-Place). Wir gingen weiter.
Wohin wir stattdessen gingen
Wir machten das Einfachste – liefen noch zehn Minuten bis nach Sainte-Catherine, dem alten Fischviertel, wo Brüssel wirklich Meeresfrüchte isst (Moules-Frites). Eine völlig andere Atmosphäre: einheimisches Publikum, keine Anmacher, ehrliche Preise. Wir aßen einen ordentlichen Topf Moules marinière mit einem großzügigen Tüten Frites – und zahlten weniger, als das Touristenmenü für etwas Schlechteres verlangt hätte.
Am nächsten Abend gingen wir in die andere Richtung – Dansaert und Saint-Géry – für das moderne Brüssel: Naturwein, ein Bistro mit kleinen Gerichten, ein junges einheimisches Publikum (Beste Restaurants).
Die eine Regel, die immer funktioniert
Wir nahmen eine Regel mit, die uns seitdem in jeder Stadt gute Dienste erwiesen hat, aber besonders in Brüssel: eine Straße weiter. Fast alles, was im touristischen Kern überteuert ist, hat eine Straße oder zwei weiter eine bessere, günstigere und lokalere Version. Die Rue des Bouchers ist das Paradebeispiel – tolles Licht, vergessliches Essen, Premiumpreise. Sainte-Catherine ist zehn Minuten zu Fuß entfernt und eine andere Welt.
Wenn euch also ein Kellner von der Straße hereinwinkt – vorbei an einem Turm aus Langusten und einer sechssprachigen Fotospeisekarte –, lächelt, sagt Nein und geht eine Straße weiter. Euer Abendessen (und euer Geldbeutel) werden es euch danken. Mehr Tipps findet ihr in unserem Brüssel-Touristenfallen-Guide.