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Versteckte Jugendstil-Schätze in Brüssel: jenseits von Horta

Versteckte Jugendstil-Schätze in Brüssel: jenseits von Horta

Brussels: Brussels Art Nouveau Walking Tour with a Local Guide

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Was sind die weniger bekannten Jugendstil-Sehenswürdigkeiten in Brüssel?

Neben Horta lohnen sich: Maison Cauchie (eine Sgraffito-Fassade nahe dem Cinquantenaire), Maison Saint-Cyr (eine extravagante schmale Eisenfassade am Square Ambiorix), das Old-England-Gebäude/MIM, das Comics Art Museum (ein kostenfreies Horta-Interieur), Hôtel Hannon sowie die sgraffito-reichen Straßen von Schaerbeek und Saint-Gilles.

Brüssel: eine einzige große Jugendstil-Schatzsuche

Wer sich mit Brüssels Jugendstil beschäftigt, stößt zuerst auf Horta – zu Recht. Doch die Bewegung reichte weit über ihn hinaus, und die Stadt ist übersät mit weniger bekannten Meisterwerken, atemberaubenden Fassaden und herrlich dekorierten Innenräumen, die die meisten Besucher gar nicht wahrnehmen. Dieser Leitfaden richtet sich an den Entdecker des zweiten Tages, der das Horta-Museum bereits kennt und mehr sehen möchte. Bring eine Kamera mit und lerne, nach oben zu schauen.

Der Jugendstil erfasste Brüssel zwischen etwa 1893 und 1914 – zwei Jahrzehnte, in denen sich die Stadt Straße für Straße architektonisch neu erfand. Horta war der Wegbereiter, aber sein offener Gestaltungsansatz und seine Bereitschaft zu lehren ermöglichten es Dutzenden von Architekten, seine Innovationen aufzugreifen und durch die ganze Stadt anzuwenden. Das Ergebnis ist eine riesige, über das Stadtgebiet verteilte Sammlung dekorierter Stadtvillen, Geschäftshäuser und öffentlicher Bauten – kein Museum, sondern ein Quartierserlebnis, das größtenteils kostenlos ist.


Die verborgenen Architektur-Juwelen

Maison Cauchie

In der Nähe des Parc du Cinquantenaire beeindruckt das Wohnhaus des Malers Paul Cauchie mit einer einzigartigen, vollständig in goldenes Sgraffito gekleideten Fassade – elegante Jugendstil-Musen, in den Putz geritzt und bemalt. Cauchie war in erster Linie Dekorationskünstler und kein Architekt, und sein Haus zeigt, was dabei herauskommt, wenn ein Maler sein eigenes Gebäude entwirft. Das Haus öffnet nur wenige Tage im Monat, doch das Äußere ist kostenlos und schlicht überwältigend. Die Adresse lautet Rue des Francs 5 – am besten vorher notieren, denn es ist leicht, daran vorbeizulaufen.

Maison Saint-Cyr

Am Square Ambiorix ragt dieses absurd schmale (4 Meter breite) Stadthaus in einem Wirbel aus geschwungenem Schmiedeeisen in die Höhe – wohl die extravaganteste Jugendstil-Fassade der Stadt. 1901 von Gustave Strauven für den Maler Georges de Saint-Cyr entworfen, ist es ein bewusster Blickfang: Jede Fläche mit organischer Eisenarbeit bedeckt, die Balkone in aufsteigenden Exzessstufen übereinander gestapelt. Nur von außen zugänglich, aber unvergesslich. Der umgebende Square Ambiorix und der Square Marie-Louise bieten eine weitere Reihe von Jugendstil-Stadthäusern, die einen gemächlichen Spaziergang lohnen.

Das Old-England-Gebäude (MIM)

Ein ehemaliges Kaufhaus aus schwarzem Eisen und Glas auf dem Mont des Arts, heute das Musikinstrumenten-Museum – ein seltenes Jugendstil-Interieur, das man mit einem normalen Ticket betreten kann, gekrönt von einem Dachcafé mit Stadtblick (MIM-Leitfaden). Die Fassade steht im Jugendstil in einem deutlich anderen Register als Hortas organische Kurven – struktureller, stärker von den englischen Arts and Crafts beeinflusst – was den Vergleich interessant macht.

Comics Art Museum (kostenfreies Horta-Interieur)

Das Belgische Comic-Zentrum ist im 1906 erbauten Waucquez-Lagergebäude von Horta untergebracht – ein Besuch des Comicmuseums ist zugleich ein Gang durch ein echtes Horta-Interieur, mit dem berühmten Treppenhaus und den Glasdächern (Comic-Art-Museum-Leitfaden). Eines der besten Preis-Leistungs-Jugendstil-Erlebnisse der Stadt, denn man bekommt sowohl Architektur als auch eine bedeutende Sammlung zum Preis eines einzigen Museumstickets. Das große zentrale Atrium, mit Hortas charakteristischem Eisen-Glas-Oberlicht, das den Raum mit diffusem Tageslicht flutet, ist allein den Eintritt wert.

Hôtel Hannon

Ein elegantes Eckhaus in Saint-Gilles mit Jugendstil-Details innen wie außen; bitte aktuelle Öffnungszeiten und Ausstellungszugang prüfen. 1902 für Edouard Hannon, einen Amateurfotografen, erbaut, besitzt es ein Interieur mit außergewöhnlichen Fliesen und Eisenarbeiten – eines der vollständiger erhaltenen jugendstil-häuslichen Innenräume der Stadt.


Die Kunst des Sgraffito

Sobald du das Wort kennst, siehst du es überall. Sgraffito – in Schichten aus farbigem Putz geritzte Muster – ziert die Obergeschosse unzähliger Brüsseler Stadthäuser, besonders in Saint-Gilles, Ixelles und Schaerbeek. Blumenpaneele, weibliche Figuren, goldene Ornamente: eine kostenlose, stadtweite Galerie, die sich über den Ladenfronten versteckt. Die Technik besteht darin, mehrere Schichten unterschiedlich eingefärbten Putzes aufzutragen und dann die oberste Schicht noch feucht abzukratzen, um die Farbe darunter freizulegen. Ein gelungenes Sgraffito-Panel hat die Wärme und Tiefe eines auf ein Gebäude aufgetragenen Ölgemäldes.

Der Trick ist einfach: nach oben schauen, während man läuft (Spazierroute). Die Erdgeschosse vieler Stadthäuser wurden modernisiert – Läden, Cafés, Banken – während die oberen Etagen den originalen dekorierten Putz über dem Beschilderungsbereich bewahren. Brüssel zählt Hunderte solcher Paneele; sie zu entdecken wird zu einem Reflex, der aus einem Spaziergang ein Spiel macht.


Stadtteile zum Erkunden

  • Schaerbeek – manchmal als „Stadt des Jugendstils” bezeichnet; seine Straßen rund um die Avenue Louis Bertrand sind reich an dekorierten Fassaden, aber kaum von Touristen besucht. Das Viertel ist ausgesprochen wohnlich und weit vom Zentrum entfernt; nimm dir einen halben Tag Zeit und streife nach Lust und Laune umher. Das Viertel Saint-Servais weist besondere Konzentrationen auf.
  • Saint-Gilles & Ixelles – das Horta-Herzland, dicht besetzt mit Schätzen jenseits der berühmten Häuser (Saint-Gilles-Leitfaden). Die Straßen rund um das Horta-Museum – Rue Africaine, Rue de la Victoire, Avenue Brugmann – sind das ergiebigste Jagdgebiet.
  • Square Ambiorix und Square Marie-Louise – elegante Stadthäuser rund um begrünte Teiche, wo die Maison Saint-Cyr der Star ist, aber die Nachbarn auch keine Gewöhnlichen sind.

Jugendstil-Cafés und -Bars

Einige der schönsten Jugendstil-Innenräume Brüssels befinden sich in Gaststätten:

  • À la Mort Subite – ein noch erhaltenes Jugendstil-Café in der Nähe der Galeries Royales, mit langem Zinktresen, verspiegelten Wänden und Thonet-Möbeln, die sich seit den 1920er Jahren kaum verändert haben. Der Raum ist so wichtig wie das Bier.
  • Falstaff – eine großartige Jugendstil-Brasserie nahe der Bourse, mit originalen Glasarbeiten und Holzvertäfelungen; aufwändiger und glamouröser als À la Mort Subite.
  • Le Cirio – ein Belle-Époque-Interieur bei der Bourse; technisch gesehen eher Übergangsperiode als reiner Jugendstil, aber die Atmosphäre passt zur Epoche.

Wie man sie findet

Diese Orte sind verstreut und viele nur von außen zugänglich – ein ortskundiger Reiseführer zahlt sich aus. Ein geführter Jugendstil-Spaziergang mit Einheimischen oder eine ausführlichere 3-stündige Jugendstil-Tour deckt Details auf, die man alleine nie entdecken würde; und eine Tour zu versteckten Schätzen verbindet den Jugendstil mit dem weiteren unbekannten Brüssel. Oder mach es als DIY mit dieser Liste und der Spazierroute – schlendern, nach oben schauen und selbst entdecken hat seinen ganz eigenen stillen Reiz, und es ist eine der lohnendsten Arten, einen Brüsseler Vormittag zu verbringen.

Häufig gestellte Fragen — Versteckte Jugendstil-Schätze in Brüssel: jenseits von Horta

  • Was ist Sgraffito und wo kann man es in Brüssel sehen?
    Sgraffito ist eine Dekortechnik, bei der Muster in gefärbten Putz geritzt werden – typisch für Jugendstil-Fassaden. Brüssel besitzt Hunderte von Sgraffito-Tafeln, besonders in Saint-Gilles, Ixelles und Schaerbeek. Schau einfach an den Obergeschossen der Stadthäuser nach oben: goldene Blumenmotive und figürliche Wandbilder erwarten dich.
  • Ist das Comics Art Museum ein Jugendstil-Gebäude?
    Ja – das Belgische Comic-Zentrum (Comics Art Museum) befindet sich in Victor Hortas ehemaligem Waucquez-Textilwarenlager, einem beeindruckenden Jugendstilbau aus dem Jahr 1906. Der Besuch des Comicmuseums ist ein kostenfreier Weg, ein echtes Horta-Interieur zu erleben.

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